Sie sind hier: Themen > Leinebogen
vorige Nachrichtnächste Nachricht

Vision Leinebogen - private Planungen zur Flutung der Leineaue

Warum blockt OB Stephan Weil (SPD) Informationen an den Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken ab?

07.10.2012

Projekt Leinebogen bei Kaffee und Kuchen

Regenbogen121007_640.jpg
Das ist nicht der Leinebogen! - Heute ein Regenbogen über der Leineauenlandschaft.
Der Heimatbund in Ahlem bot heute dem Verein Leinebogen e.V. die Möglichkeit, das privat geplante Projekt Leinebogen vorzustellen. Mit etwa 30 Teilnehmern und bei Kaffee und Kuchen ging es fast familiär zu. Bei dem Projekt Leinebogen soll die Leineaue im Westen Hannovers dauerhaft geflutet werden. Es entstehen mehrere Seen.

Leinebogen640.jpg
Leinebogen: Planung zu einer Seenlandschaft in der Leineaue im Westen von Hannover.
© Kartenmaterial: http://www.openstreetmap.org/ - Lizenz: Creative Commons BY-SA 2.0

Regionsabgeordneter Walter Richter (SPD) vom Leinebogen e. V. stellte die bisherigen Planungen vor.

landschaft.jpg
Dort, wo der Leinebogen e. V. jetzt eine Seenlandschaft errichten möchte, befindet sich zurzeit ein Überschwemmungsgebiet, das als Biotop zum besonders zu schützenden FFH-Gebiet Nr. 90 gehört
(Das Kürzel "FFH" steht für Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt und Habitat = Lebensraum bestimmter Pflanzen- und Tierarten).

Es sollen drei Seen (Süd-See, Nord-See und West-See) auf einem Gebiet von Herrenhausen bis Garbsen entstehen. Die Wassertiefe soll 2 m betragen. Es gibt mehrere Staustufen im Verlauf der Seenlandschaft. Am Ufer sollen Wohnraum, Bauten für Zukunftsbranchen (Marienwerder), Yachthäfen bis zu Veranstaltungszentren entstehen. Die Leineaue wird für eine Wassertiefe von 2 m ausgehoben. Mit dem Aushub sollen Hügel am Rande der Seenlandschaft entstehen.

Das Investitionsvolumen für diese tiefgreifende Maßnahme der Stadtentwicklung wird zurzeit auf 2 Milliarden Euro vom Leinebogen e. V. geschätzt. Davon entfallen etwa 200 Millionen Euro auf die Steuerzahler.

Etwa 17 ehemalige Müllhalden in der Leineaue (Hausmüll und Industriemüll), sollen ausgegraben und auf Deponien entsorgt werden. Der Erdaushub der Leineaue (9 Millionen m3) sei mit Blei, Cadmium und Zink belastet und würde am Rande der Seenlandschaft abgelagert und anschließend abgedeckt.

Herr Richter antwortete auf die Frage, ob kommunale Unternehmen direkt oder indirekt oder Stiftungen unter Beteiligung der Kommunen oder kommunaler Unternehmen gespendet hätten. Er versicherte, dass sämtliche bisherigen Planungen rein privat über Spenden von großen Unternehmen aus Hannover stammen.

Mit welchen Argumenten wird vom Leinebogen e. V. für Projektplanung Leinebogen geworben?

In einem Bogen von der sog. demografischen Entwicklung und der damit erforderlichen Steigerung der Attraktivität der Stadt und der Region Hannover für qualifizierte Arbeitnehmer, der Schaffung von 1.200 Arbeitsplätzen und Wohnraum mit 10.000 Wohnungen für etwa 20.000 Personen bis hin zu einem verbesserten Hochwasserschutz (10% mehr Aufnahmekapazität für Hochwasser in den 2m tiefen Seen) wird für das Projekt geworben. Durch die Seenlandschaft würde die heutige Schadstoffbelastung der Leineaue nach Ansicht des Leinebogen e. V. wegfallen.

Der Leinebogen e. V. sieht seine Rolle in der Vorbereitung einer Maßnahme, die dann von den Kommunen übernommen und getragen werden muss.

Argumente, die gegen das Projekt sprechen könnten

Es gibt einige kritische Punkte, die weiter diskutiert werden müssen.

Die Durchsetzbarkeit von Änderungen durch Umwidmung der betroffenen FFH-Flächen ist unter Gesichtspunkten der europäischen Gesetzgebung und des Umweltschutzes durchaus fraglich, erfordert die Beteiligung von Bund, Land und der EU. Walter Richter vom Leinebogen e. V. sieht dieses aber als beherrschbares Problem, wenn der volkswirtschaftliche Nutzen belegbar ist.

Bei nur 2 m Wassertiefe und einer scheinbar fehlenden durchgängigen Befahrbarkeit von See zu See (Stauwerke) werden die Nutzbarkeit und die Attraktivität von erfahrenen Seglern als eingeschränkt gesehen. Beispiel: Für Drachenbootrennen wird eine Mindestwassertiefe von 3,50 m gefordert.

Die Ablagerung belasteter Böden am Rande der Seenlandschaft und ihre Abdeckung mit unbelasteten Erdschichten sind zu hinterfragen. Dort dürfte z. B. kein Gemüse angebaut werden.

Das Argument der Schaffung von 10.000 neuen Wohnungen für ca. 20.000 Personen hilft in den umgebenden Stadtteilen nicht weiter. Dort fehlen bezahlbare, große Wohnungen oder Häuser für junge Familien mit 4-5-Personenhaushalten. Exklusive und teure Lofts, die im Mittel für 2-Personenhaushalte ausgelegt sind, bringen hier keine Verbesserung zum aktuellen Stand. Die Nachhaltigkeit der Leinebogen-Planung als Gegensteuerung zur demografischen Entwicklung mit ihrem erwarteten Geburtenrückgang ist bei im Mittel geplanten 2-Personenhaushalten zu bezweifeln.

Unter den Teilnehmern der Veranstaltung wurde kritisch gesehen, ob und wie diverse Wasserzuläufe zur Leineaue im Konzept der Seenlandschaft richtig berücksichtigt sind.

Ob die Situation mit dem Klärwerk in Herrenhausen adäquat in den Planungen berücksichtigt wird, erscheint fraglich. Es gab ein Argument des Leinebogen e. V. zur Kostenübernahme durch die Steuerzahler für die Verlegung des Rohrsystems aus dem zukünftigen See heraus. Das Rohrsystem zwischen den Klärwerkanlagen sei ohnehin renovierungsbedürftig und deshalb könne die Verlegung des Rohrsystems im Zusammenhang mit der ohnehin erforderlichen Renovierung geleistet werden.

Das Ausgraben von 17 größeren, schadstoffbelasteten Mülldeponien und deren Lagerung an anderer Stelle erscheint angesichts des gescheiterten Abtransports asbesthaltigen Mülls von Wunstorf Kohlenfeld auf weiter entfernt liegende Deponien als kritisch.

Zur Beherrschbarkeit der durch die Seenlandschaft veränderten Grundwassersituation bestand unter den Teilnehmern der Veranstaltung Skepsis. Auch gibt es diverse städtische Gebiete, z. B. in Ahlem, mit unterirdischen Hohlräumen, die ganz unterschiedlich verfüllt wurden, was auch bei einer veränderten Grundwassersituation zu Problemen führen kann.

Auch wurde aus dem Kreis der Teilnehmer der Darstellung vom Leinebogen e. V. widersprochen, dass erst durch eine Flutung der Leineaue und den damit verbundenen Maßnahmen würde jetzt endlich ein aktueller Stand unter umweltpolitischen Gesichtspunkten entstehen. Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die schon seit Jahren im FFH-Gebiet Leineaue laufen.

Dass die Leineaue heute nicht sinnvoll genutzt würde, könne nach Ansicht der Teilnehmer nicht behauptet werden. Sie ist z. B. ein bei Fahrradfahrern sehr beliebtes Areal mit einem hohen Naherholungswert, das bei Flutung einer Seenlandschaft wegfallen würde. Ein vom Leinebogen e. V. in Aussicht gestellter gemeinsamer Rad- und Fußweg wurde skeptisch und als Verschlechterung für die Radfahrer gesehen.

Nachdem in der Presse auch schon Gesamtkosten von 3 Milliarden Euro genannt wurden, erscheinen die abgegebene Kostenschätzung und auch die geschätzte Aufteilung auf private Investoren und die Steuerzahler fraglich.

Dass die ökokonservativen Grünen einer Umwandlung der Leineaue in eine künstliche Seenlandschaft jemals zustimmen werden, erscheint ungewiss.

Fazit und politische Bewertung

Es gibt einerseits noch viele offene Fragen zu einer künstlichen Seenlandschaft Leinebogen. An Hand der erstellten Gutachten und der bisherigen Planungen wäre eine Prüfung auf politischer Ebene jetzt angeraten.

Nach Darstellung des Leinebogen e. V.-Repräsentanten Walter Richter (SPD), müssen die Verwaltungsspitzen von Stadt und Region Hannover bestens informiert sein und der Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) und Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) lassen die verwaltungsinterne Auseinandersetzung mit der Thematik wie eine vertrauliche Verschluss-Sache wirken.

Es müssen die gewählten Mandatsträger in den betroffenen Stadtteilen besser beteiligt werden. Gerade wegen der umfangreichen Berichterstattung des Themas in der Presse, müssen auch die Bezirksräte wissen, wie die Verwaltungsspitze der Landeshauptstadt Hannover und ggfs. der Region mit dem Thema umgehen.

Der oberste Verwaltungschef der Landeshauptstadt Hannover sollte die Bezirksräte ernst nehmen und informieren. Dass sich die Verwaltung ernsthaft aber erfolglos „um Informationen zum Projekt Leinebogen bemüht habe“, erscheint unglaubwürdig, nachdem Herr Richter vom Leinebogen e. V. gesagt hat, dass Jeder, der sich für das Projekt interessiere, vom Verein informiert würde und die Verwaltung der Landeshauptstadt definitiv nicht nach Informationen gefragt habe.

Warum wird jetzt eine zum aktuellen Planungsstand passende politische Diskussion von OB Stephan Weil (SPD) und der von ihm geführten Verwaltung mit wirklich fadenscheinigen und lapidaren Begründungen verhindert?

Der SPD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2012, Stephan Weil, wird ein Projekt Leinebogen gegen die ökokonservativen Grünen kaum durchsetzen können. Auch erscheint eine Zustimmung in der Bevölkerung zum Projekt fraglich. Deshalb kneift OB Weil in der politischen Auseinandersetzung zur Planung Leinebogen?

Die „Planungen Leinebogen“ müssen heraus aus den Hinterzimmern der Politik!

Bürgerprotest

Mittlerweile gibt es einen ersten Bürgerprotest gegen das Projekt Leinebogen

link... Siehe auch: Bürgerinitiative Pro Leineaue

- Hier geht es zurück
CDU HANNOVER-STADT CDU Ratsfrau Georgia Jeschke CDU im Bezirksrat CDU im Rat der Stadt Hannover
CDU-Regionsfraktion Hannover CDU im Niedersächsischen Landtag MdL Dirk Toepffer MdB Wilfried Lorenz
MdB Ursula von der Leyen MdEP Burkhard Balz CDU Kreisverband Hannover Stadt Frauenunion Hannover Stadt
CDU in der Region Hannover CDU Bezirksverband Hannover CDU Landesverband Niedersachsen CDA Niedersachsen
CDU Deutschland CDU PLUS Mitgliedernetz E-Government der Stadt Hannover
© CDU Ortsverband Hannover Herrenhausen-Stöcken 2010-2016 XHTML 1.0 Validierung